Wenn es einen Gegenstand gibt, den heute wirklich jeder besitzt, dann ist es der Rucksack. Er ist praktisch, geräumig und lässt sich für tausend verschiedene Anlässe wählen: für Reisen, zur Arbeit, als modisches Accessoire…
Heute gibt es zahlreiche unterschiedliche Rucksackmodelle, die sowohl für Männer als auch für Frauen ideal geeignet sind.
Die Geschichte des Rucksacks reicht über Jahrtausende zurück. In verschiedenen Epochen erfanden Tüftler und Erfinder eigene Methoden, schwere Dinge zu tragen. Viele dieser Ideen gerieten in Vergessenheit, doch Menschen auf verschiedenen Kontinenten und aus unterschiedlichen Kulturen erfanden stets ähnliche Hilfsmittel. In diesem Beitrag verfolgen wir den Weg des Rucksacks — vom ersten hölzernen Gestell bis zum modernen Hightech-Modell.
Das älteste Rucksackmodell — 3300 v. Chr.
Vor mehr als 5000 Jahren lebte in den Ostalpen, zwischen den Gebieten des heutigen Italien und Österreich, an einem Ort im heutigen Tirol, ein Hirte. Leider endete sein Leben im Alter von 45 Jahren tragisch: Er wurde von einem Pfeil verletzt und verblutete an einem Berghang. 1991 entdeckten zwei deutsche Alpinisten den Körper dieses uralten Menschen, im Gletscher eingefroren.

Aufgrund des Permafrosts blieb sein Körper erstaunlich gut erhalten. Die gefundene Mumie erhielt den Namen «Ötzi». Bei ihm entdeckten Archäologen zahlreiche persönliche Gegenstände, von denen viele schlecht erhalten waren. Neben Resten eines Bogens, eines Pfeilköchers und eines Feuersteinmessers wurde ein Gestell aus Nussbaumholz gefunden, über dessen Zweck bis heute gestritten wird. Viele Archäologen neigen zu der Annahme, dass es sich um das Gestell eines hölzernen «Rucksacks» handelt.

Nach Ansicht von Wissenschaftlern war an der hölzernen Basis ein Beutel aus Fellen befestigt, den Ötzi mithilfe von Lederriemen auf dem Rücken trug, um darin seine Dinge zu transportieren.

Anhand dieses Fundes wurde ein Modell des uralten Rucksacks rekonstruiert, das heute im Museum für Naturkunde in Dortmund aufbewahrt wird.
Ein Argument dafür, dass dieses Hilfsmittel der Vorläufer des Rucksacks war, ist die Tatsache, dass es in den Alpen bis heute traditionelle hölzerne Rückentragen gibt, die Kraxe genannt werden.

Eine Art Rucksack gab es auch im Römischen Reich. Römische Legionäre führten in ihrer Ausrüstung den loculus — Ledertaschen, die zusammen mit weiterer Ausrüstung an einer Marschstange befestigt wurden.

Vorrichtungen, die dem modernen Rucksack äußerlich am ähnlichsten waren, erschienen im mittelalterlichen Europa. Es handelte sich um Körbe mit Schulterriemen, die auf dem Rücken getragen wurden. Bauern nutzten sie für die Feldarbeit, Stadtbewohner für Marktgänge und den Transport von Waren.

Rucksäcke, ähnlich dem des uralten Menschen Ötzi, kamen im 19. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich in Gebrauch. Sie waren Arbeitswerkzeug der Lastträger und wurden zum Transport von Gütern verwendet.

Gestelltragetaschen gab es auch auf der Skandinavischen Halbinsel. Eines der am besten erhaltenen Exemplare wird im Norwegischen Forstmuseum aufbewahrt. Äußerlich erinnert es an einen Beutel mit Holzrahmen und Lederriemen. Dieser Rucksackvorläufer, der den Namen Sekk med Meis («Tasche mit einer Brust») trägt, datiert ungefähr auf die 1880er Jahre.
Rucksäcke in Asien.
Wechseln wir in unseren Betrachtungen von Europa in den Osten des eurasischen Kontinents. Sehen wir uns an, welche Taschen die indigenen Völker der sibirischen Taiga verwendeten. Auch die Sibirjaken hatten rahmenbasierte Rückentragen, die an den «Rucksack» des uralten Menschen Ötzi erinnern. Solche Vorrichtungen wurden «Ponyagi» oder «Rogulki» genannt. Sie entstanden bei den Völkern Sibiriens vor vielen Jahrhunderten und werden bis heute genutzt.

Die «Ponyaga» ist eine Trageplattform, geflochten aus Weiden- oder Traubenkirschenruten, die an einem hölzernen Rahmen befestigt ist. Auf der rückenseitigen Seite wird der Rahmen mit Birkenrinde umwunden. Die Last wird mit Riemen an der «Ponyaga» festgebunden. Für die Handhabung ist oben am Holzrahmen ein Griff angebracht. Die «Ponyaga» wird mit zwei Lederriemen auf dem Rücken getragen.


«Rogulki» — das ist ein hölzernes Gestell, das auf dem Rücken getragen wird. Die Lasten werden zwischen zwei Gabelstangen befestigt und mit Seilen festgebunden. Diese Konstruktion erinnert nur entfernt an einen «Rucksack», ist aber zum Tragen großer Lasten bequem, da sie die Schultern durch den verlagerten Schwerpunkt weniger nach unten zieht.

Rogulki waren in ganz Ostsibirien und Asien verbreitet und besonders häufig bei Lastträgern in Wladiwostok im 19. Jahrhundert. Diese nannte man nach dem Gerät auch «Rogulschtschiki» (Rogulki-Träger).

In Korea gab es ebenfalls die Konstruktion «Jige», die der Rogulka ähnlich ist. Erwähnungen zur «Jige» finden sich in schriftlichen Quellen des späten 17. Jahrhunderts, doch eine ähnliche Konstruktion erschien bereits viel früher — im 7. Jahrhundert.

In Zentralrussland und Westsibirien nutzten Bauern seit alters geflochtene Birkenrindenkörbe mit Riemen – Kormtaschen (Kotomki). Für ihre Herstellung verwendete man Birkenrinde und Fäden aus Fichtenwurzeln. Die russische Kotomka ist eine Variante der alpinen Kraxe.
Tornister.
Wechseln wir wieder nach Europa. Im 18. Jahrhundert, mit der Weiterentwicklung und Gewichtsreduzierung der militärischen Ausrüstung, tauchten die ersten Prototypen von Soldaten-Tornistern auf.

Der Soldaten-Tornister erinnerte in seiner Form an den antiken loculus, jedoch mit befestigten Schulterriemen. Wie beim loculus banden Soldaten oft zusätzliche Dinge oben auf den Tornister: zusammengerollten Mantel, Decke. Die Rückentaschen der Soldaten wurden aus Leder, Segeltuch oder Tuch genäht. Solche Tornister gehörten zur Ausrüstung europäischer Armeen. 1882 wurde ein wasserdichter Ausrüstungsbeutel aus Segeltuch eingeführt, wie ihn viele Armeen der Welt bis heute verwenden.

Während des Amerikanischen Bürgerkriegs von 1861 bis 1865 waren zwei Arten von Tornistern in Gebrauch: harte und weiche. Diese Modelle waren aufgrund ihres Gewichts und einer ungünstigen Lastverteilung nicht besonders bequem.

Daher erfand und patentierte der US-Oberst Henry S. Merriam 1866, nach Ende des Konflikts zwischen Nord und Süd, einen neuen Typ Soldaten-Tornister. An Tornister und Koppel des Soldaten wurde ein Gestell aus Holzleisten befestigt, das die Last neu verteilte. Dieses Holzgestell diente zudem als Grundlage für ein kleines Zelt bei Rastpausen.

Dieser Tornister war ebenfalls nicht besonders bequem und praktisch, weshalb es dem Erfinder lange Zeit nicht gelang, einen Staatsauftrag zu erhalten, um seine Innovation in die Massenproduktion zu bringen.

1886 entwickelte der norwegische Unternehmer Ole Bergan ein neues Tornistermodell für Zivilisten. Es besaß einen steifen Rahmen aus leichtem Metall, der der Form des menschlichen Rückens folgte. Ole Bergan war der Ansicht, dass ein Tornister für bequemes Tragen der Last an Körpergröße und -form seines Besitzers angepasst sein müsse.

Dieser Rucksack erinnerte in gewisser Weise an den zuvor erwähnten Sekk med Meis. Die Produkte des norwegischen Unternehmens wurden weltweit bekannt. Und die Rucksackmarke Bergans existiert bis heute.
Die Weiterentwicklung des Rucksacks setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts fort. In den 1920er Jahren beobachtete der US-Jäger Lloyd F. Nelson auf Reisen durch Alaska bei den lokalen Inuit-Stämmen ihre traditionelle Tragetasche aus Holz und Robbenhaut und modifizierte sie.

Das von Nelson überarbeitete Rucksackmodell ging unter dem Namen «Indianischer Trapper-Rucksack Nelson» in die Serienproduktion. Dieser Rucksack war so konstruiert, dass sich das Gewicht über den gesamten Rücken verteilte. Später erhielt er den Namen «Alaska-Rucksack».

Das Modell «Alaska-Rucksack» wurde auch von der US-Armee übernommen.
Von Segeltuch zu Nylon, von Militär zu Touristen und Schulkindern.
Mit dem technischen Fortschritt wanderte der Rucksack dank seiner Zweckmäßigkeit aus dem Militär in die Zivilbevölkerung. Bis 1938 wurde der Rucksack von Jägern, Militärs und Arbeitern zum Transport schwerer Lasten verwendet.

1938 fügte der ehemalige Soldat der US-Gebirgsdivision Gerald Cunningham einem leichteren Rucksackmodell einen Reißverschluss hinzu. Dies wurde zum Wendepunkt in der Geschichte des Rucksacks. Der praktische Verschluss ermöglichte neue Formen, in denen sich das Gewicht effizienter verteilte. Später gründete Gerald Cunningham sein eigenes Unternehmen für Outdoor-Ausrüstung.


Ein weiterer wichtiger Schritt in der Entwicklung der Rucksackmodelle war die Erfindung von Nylon. 1935 gelang es in den USA erstmals, diesen Werkstoff im Labor der Firma DuPont zu synthetisieren, die in chemischer Forschung tätig war. Das neue Material war «so stark wie Stahl» und «so fein wie ein Spinnennetz». Es fand rasch breite Anwendung in der Massenproduktion: von Zahnbürsten bis zu Strumpfhosen und Oberbekleidung. Ab 1942 und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs arbeiteten die Nylonfabriken für militärische Zwecke; nach Kriegsende wurde Nylon für die breite Bevölkerung zugänglich.


1952 entwarf das US-Ehepaar, die Schneiderin Nena Kelty und ihr Ehemann Dick Kelty, ein zivilies Rucksackprototyp aus Nylon. Gemeinsam starteten sie eine handwerkliche Produktion ihrer Erfindung: Dick fertigte den Metallrahmen, Nena nähte den eigentlichen Rucksack aus Nylon.

Dieser Rucksack wurde zum Know-how im Bereich des Trekking. Mit einem ähnlichen Rucksack bestieg 1963 das Alpinistenteam von Norman Dyhrenfurth und Jim Whittaker den Mount Everest.
In den 1960er Jahren hielten Rucksäcke Einzug in den Alltag.
In dieser Zeit entstand das Modell des Schulranzens. Bis in die 1930er Jahre trugen Schulkinder ihre Bücher in der Hand, mit einer Schnur zusammengebunden. Danach kamen Lederaktentaschen auf. Später fügte man dem Aktenkoffer Riemen hinzu, und die Kinder trugen ihn auf dem Rücken.


In den 1970er Jahren, auf dem Höhepunkt der Hippie-Ära, wurde der Rucksack zum Modeaccessoire. Besonders beliebt bei jungen Leuten war der Rucksack der 1967 gegründeten Firma Jansport. Modische Rucksäcke der 70er bestanden aus Nylon in verschiedenen Farben, Vinyl, Leder und besaßen Reißverschlüsse. Solche Rucksäcke waren sowohl bei Hippies als auch bei Studenten verbreitet.


1984 präsentierte das italienische Modehaus Prada auf dem Laufsteg der Haute Couture den schwarzen, damenhaften Nylonrucksack Vela («Segel»). So machte Stylistin Miuccia Prada den Rucksack zu einem beliebten Damenaccessoire.

Anfang der 2000er Jahre bot das italienische Unternehmen Piquadro praktische Business-Rucksäcke mit Fächern für Laptop und Tablet sowie mit hochmodernen Innovationen an. Auch heute sind City-Rucksackmodelle mit «futuristischem» Trend sehr gefragt. Sie werden von Männern wie Frauen getragen.



Auf den Mipel-Messen in Mailand erscheinen jedes Jahr Neuheiten aus hochtechnologischen Materialien: wasserabweisend und robust, die sich nicht einmal mit einem Messer aufschlitzen lassen.
Rucksäcke sind mit Elektronik vollgepackt: LED-Beleuchtung, GPS-Sensoren, integrierte Ladefunktionen für Telefone. Darüber hinaus gibt es Rucksäcke mit eingebauten Solarmodulen, Zahlenschlössern und «diebstahlsicheren» Metallseilen, Rucksäcke mit RFID-Schutz (gegen das Auslesen von Kreditkarten).

Und so sind wir in der Gegenwart angekommen, in der der Rucksack zum unverzichtbaren Begleiter unseres Alltags geworden ist. Ja, nützlich — aber auch stilvoll, so sehr, dass er heute als Accessoire anstelle einer Tasche verwendet wird.
Welcher ist Ihr Lieblingsrucksack? Erzählen Sie es in den Kommentaren!

Dinosaurier-Rucksack von Braccialini, Kollektion Herbst–Winter 2019–2020